Wissenswertes über georgische Weine

In drei Sätzen: Georgien gilt mit rund 8000 Jahren Weinbau als das älteste Weinland der Welt. Georgien macht trockene und halbsüße Weine, die Palette reicht von klassischen Rot- und Weißweinen bis zu den Qvevri-Weinen, die im Tongefäß entstehen. Am besten probiert man georgischen Wein zum Essen und in Gesellschaft.
Sind georgische Weine süß?
Nicht unbedingt. Viele georgische Weine sind trocken, besonders die Qvevri-Weine, an die man beim Stichwort „georgischer Wein“ oft zuerst denkt. Daneben gibt es halbsüße Weine, die vor allem im Ausland sehr beliebt sind: die Rotweine Kindzmarauli und Akhasheni und den Weißwein Tvishi.
Sehr trocken
Qvevri-Weine
- Saperavi Qvevri
- Rkatsiteli Qvevri
- Kisi Qvevri
- Mtsvane Qvevri
- Khikhvi Qvevri
- Tavkveri Qvevri
- Aleksandrouli Qvevri
Ein Duett aus einer Traube
Bei vielen Rebsorten gibt es zwei Weine: den klassisch ausgebauten und den Qvevri-Wein. Aus derselben Traube entstehen zwei sehr unterschiedliche Weine.
Tipp: Wer trocken mag, beginnt mit einem klassischen Saperavi oder Rkatsiteli. Wer es milder mag, mit Kindzmarauli. Wer es sehr trocken und kräftig mag, probiert einen Qvevri-Wein.
Wie schmeckt georgischer Wein?
Georgien hat über 500 einheimische Rebsorten, und Regionen wie Kachetien im Osten oder Imeretien im Westen schmecken unterschiedlich. Drei Wege führen ins Glas:
Rot
Dunkel und kräftig, mit Beeren- und Pflaumenaromen. Der bekannteste ist Saperavi.
Typische Rebsorten: Saperavi, Tavkveri, Aleksandrouli
Weiß
Frisch, mit Aromen von Quitte, Birne und Steinobst, zum Beispiel Rkatsiteli oder Tsinandali.
Typische Rebsorten: Rkatsiteli, Krakhuna, Mtsvane, Kisi
Qvevri-Wein
Die Trauben werden im Qvevri vergoren und gereift, einem in die Erde eingegrabenen Tongefäß. Es gibt ihn in zwei Farben:
- Bernsteinwein (Orangewein): aus weißen Rebsorten. Die Trauben vergären mit den Schalen, deshalb bernsteinfarben, sehr trocken, mit Aromen von Pfirsich, Aprikose, Kräutern und Tee und feinen Gerbstoffen. Man nennt ihn auch Orange- oder Amber-Wein.
- Rot: aus roten Rebsorten, zum Beispiel Saperavi Qvevri oder Tavkveri. Sehr trocken und kräftig.
Die Qvevri-Methode ist von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt. Welche Regionen den Charakter der Weine prägen, lesen Sie im Beitrag Weinregionen Georgiens.
Wie trinkt man georgischen Wein?
Die richtige Temperatur
Rot- und Qvevri-Weine dürfen atmen: Dafür in eine Karaffe umfüllen. Halbsüße Weißweine wie der Tvishi schmecken gut gekühlt bei 6–8 °C.
Zum Essen
| Gericht | Passender Wein |
|---|---|
| Khachapuri (Käsebrot) | Bernsteinwein (Kisi, Mtsvane) oder Rkatsiteli |
| Pkhali (Gemüse-Nuss-Paste) | Rkatsiteli, Krakhuna, Tsinandali |
| Khinkali (Teigtaschen), Mtsvadi (Schaschlik) | Saperavi, Mukuzani |
| Käse, Desserts | Kindzmarauli, Akhasheni, Tvishi |
Mehr über die georgische Küche. Dazu passen Adschika, Tkemali und Gewürze aus unserer Feinkost.
Supra: So trinkt man in Georgien
In Georgien trinkt man Wein selten allein. Bei der Supra, der festlichen Tafel, stehen alle Speisen gleichzeitig auf dem Tisch, und ein Tamada, der Tafelmeister, führt durch den Abend. Seine Trinksprüche sind keine kurzen „Prost“-Rufe, sondern kleine Reden über ein Thema. Sie folgen einer festen Reihenfolge:
- 1
Der FriedenZuerst der Frieden, in der ganzen Welt.
- 2
WirAuf uns, die am Tisch sitzen.
- 3
Die ElternAuf die Eltern.
- 4
Die VorfahrenAuf die, die nicht mehr unter uns sind, und auf die Vorfahren.
- 5
Die KinderAuf die Kinder, die Geschwister und weitere Menschen am Tisch.
Jeder Trinkspruch endet in der Regel mit „Gaumarjos“. Der Tamada sagt es zuerst, danach alle am Tisch. Übersetzt sagt man oft „Prost“, gemeint ist aber ein Wunsch: Wer angesprochen wird, soll siegreich sein, also erfolgreich.
Wer eigene Worte hinzufügen möchte, kann das tun, besonders wenn der Tamada ihn mit „Alaverdi bin ich bei dir“ dazu auffordert. Damit gibt er einem Gast das Wort und damit die Verantwortung für diesen Trinkspruch.
Wie tief der Brauch verwurzelt ist, zeigt eine berühmte Bronzestatue eines Tamada mit Trinkhorn in der Hand, gefunden in Vani in Westgeorgien (7.–8. Jahrhundert v. Chr.).
Foto: Nationalmuseum Georgiens
Weiterlesen: Die georgische Tafel · Georgien, das Ursprungsland des Weins · Zum Anstoßen: Chacha und Brandy
Sind georgische Weine Naturweine?
Viele ja, aber nicht alle, denn „Naturwein“ ist kein geschützter Begriff. Bei Qvevri-Weinen gären die Trauben oft mit Schalen, meist mit den natürlichen Hefen des Weinbergs, oft unfiltriert und mit wenig Eingriff. Es gibt in Georgien auch Weine nach klassischer europäischer Methode, sie sind genauso eigenständig, aber keine Naturweine.
Mehr dazu im Beitrag Qvevri, die älteste Weinherstellungsmethode der Welt. Unsere Naturweine finden Sie hier, einen guten Überblick gibt das Paket Qvevri Harmonie.
Zum Einstieg
Wer nicht wählen will, nimmt das Entdeckerpaket.
Häufige Fragen
Was ist ein Qvevri?
Ein großes Tongefäß, das in die Erde eingegraben wird und in dem Wein vergärt und reift. Mehr im Beitrag Qvevri-Methode.
Was ist der Unterschied zwischen Saperavi und Saperavi Qvevri?
Es ist dieselbe Rebsorte, aber anders ausgebaut: Beim Qvevri-Wein gären und reifen die Trauben im Tongefäß, meist mit den Schalen. Das ergibt meist einen sehr trockenen, kräftigeren Wein.
Was heißt „g.U.“ oder „PDO“?
Geschützte Ursprungsbezeichnung (englisch: Protected Designation of Origin). Der Wein stammt aus einer genau festgelegten Zone, ist aus den erlaubten Rebsorten gemacht und wird von der staatlichen Weinbehörde kontrolliert. Beispiele sind Mukuzani, Kindzmarauli, Tsinandali, Akhasheni und Tvishi. Mehr auf der Seite Herkunftsweine (PDO).
Muss ich georgischen Wein dekantieren?
Nicht immer, aber bei Rot- und Qvevri-Weinen lohnt es sich.
Was bedeutet Gaumarjos?
Ein georgischer Trinkspruch, mit dem jede Rede am Tisch endet. Übersetzt sagt man oft „Prost“, gemeint ist aber ein Wunsch: Wer angesprochen wird, soll siegreich sein, also erfolgreich.